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Archive - 2024

Comic Con & Balboa Park, San Diego, California

23. November 2024

Mittlerweile weiß ich, dass mein Rückflug für den 25. November gebucht ist. Ich habe also noch Zeit für kleine Entdeckungen. Und so mache ich mich heute auf den Weg zum Comic-Con Museum, welches im Balboa Park liegt.

Ich hatte es gestern auf meinem Weg zum Zoo entdeckt und war neugierig geworden. Am Eingang prangt nur ein großes Schild, dass auf das Museum hinweist. Schnell ist der Preis entrichtet und für die nächsten Stunden tauche ich in eine mir fremde Welt ein.

Gleich am Eingang zur Ausstellung grüßt diese von dem Künstler Rick Geary erschaffene überlebensgroße Statue des Comicon Tukan, der Anfang der 1980er Jahre von der San Diego Comic Convention (SDCC) als offizielles Logo übernommen wurde.

Dazu erklärte der Künstler Rick Geary, dass Dave Scroggy, sein damaliger künstlerischer Vertreter, ihn bat, ein kleines Maskottchen oder Logo für die Con zu entwerfen, für das ein Bild für den Einsatz auf Briefköpfen, Mailings, Anzeigen usw. benötigt wurde.

Daraufhin zeichnete Rick Geary diesen lustigen Vogel in Menschenkleidung, der nie ein Tukan sein sollte. Der Vogel wurde zum Maskottchen der Comic-Con und tauchte seitdem in Anzeigen, Publikationen und auf Merchandise-Artikeln auf.

Um die internationale Reichweite der ursprünglich lokalen Show der Comic-Con zu erhöhen, fügte sie ihrem Namen ‚international‘ hinzu. Und es war der Tukan, der das ikonische Augenlogo einführte.

Hinter dem Tukan geht es mit dieser, von Todd McFarlane geschaffenen, lebensgroßen und imposanten Batman-Statue los.

Batman gegenüber stehen in einem riesigen Foto vereint alle Superheroen, sowie deren geistige Väter.

Die ganze Szenerie wird flankiert von den Büsten zweier in der Comicwelt wohlbekannter Figuren: SUPERMAN …

… und CAPTAIN AMERICA

Gleich um die Ecke tauchen in einer Bildergalerie dann die Vertreter aus meiner Kindheit und Jugend auf. Lustige Gestalten, die mir auch heute noch Freude bereiten.

Es folgen Comic-Figuren aus aller Welt, die ich bisher nicht gekannt habe.

Schmunzelnd wandere ich dieser Ahnengalerie entlang. Spiegelt sie doch das weltweite Interesse an Figuren mit überragenden Eigenschaften und Fähigkeiten wider.

Und auch mein Interesse wächst, je tiefer ich in diese Ausstellung eintauche.

Im nächsten Raum erfahre ich mehr. Über moderne Metamorphose und die Anwendungen des griechisch-römischen Mythos. Für die Inspiration der modernen Superhelden war das große Erbe der griechisch-römischen Mythologie von entscheidender Bedeutung.

Beispiel: Aus Herkules wurde Superman, aus Merkur Flash und aus Neptun Aquaman. Außerdem stammt Wonder Woman selbst von den Amazonen ab, einem mythischen Stamm von Frauen, die wiederum von den Göttern abstammen.

So erkennen wir die offensichtliche gegenseitige Abhängigkeit zwischen antiker und moderner Mythologie, die Verbindung zwischen antiken Themen und ihren modernen ikonografischen Mutationen.

Ferner erscheinen Figuren aus der griechisch-römischen Mythologie häufig in Comics in ihrer eigenen Form, wobei ihre traditionellen Rollen als antike Helden und Götter in zahllosen grafischen und künstlerischen Formen für die heutige Zeit neu interpretiert werden.

Zum Beispiel war die Göttin Venus 1948 die erste mythologische Figur, die als Protagonist eines modernen Comics vorgestellt wurde, und zwar in einer Serie von Stan Lee, Ken Bald und Bill Everett. In Venus hatte auch Jupiter, Venus‘ mächtiger Vater, seinen ersten Comicauftritt.

Desweiteren haben Stan Lee und Jack Kirby The Mighty Thor geschaffen, der stark auf der nordischen Mythologie basiert und den Mythos in eine neue Geschichte übersetzt. In ihrer Version erleben Odin, Thor, Loki und die anderen Götter von Asgard Abenteuer, die Fantasy, Science-Fiction und ein Gefühl des Staunens vermischen.

Ein weiteres Bespiel: Herkules debütiert 1965 in einer Ausgabe von Journey Into Mystery, dem Magazin, in dem die ersten Abenteuer der Asgardianer erschienen sind, und bringt alle Bewohner des Olymps mit in das Marvel-Universum.

Wiederum verwendet Kirby, fasziniert von den Mythen Homers, die Götter als Matrix zur Erschaffung der Eternals, einer Rasse mit halbgöttlichen Kräften, deren Mitglieder in Haltung und Klang der Namen den Bewohnern des Olymps ähneln: Zuras (Zeus), Thena (Athene), Makkari (Merkur), Sersi (Circe), Ikaris (Ikarus) und Ajak (Ajax); auch der sumerische Gilgamesch, Protagonist des ältesten Heldenepos der Menschheitsgeschichte, kann sich diesem Ruf nicht entziehen.

In vielen DC-Titeln kommen auch olympische Götter vor, aber das berühmteste Beispiel ist Wonder Woman aus dem Jahr 1987, das von George Perez, Greg Potter, Len Wein und Bruce Patterson gespielt wird.

Perez‘ Interpretation zementiert Wonder Womans Identität in der klassischen griechisch-römischen Mythologie, indem sie visuell auf hellenistische Skulpturen verweist und Bösewichte wie Ares/Mars einführt, den griechisch-römischen Kriegsgott und mythischen Vater der Amazonen.

Griechisch-Römische Götter:

Die alten Griechen und Römer waren Polytheisten, die an die Existenz mehrerer Gottheiten glaubten. Die griechisch-römische Mythologie ordnet Götter und Göttinnen sowie eine Reihe kleinerer außerweltlicher Wesen in klar definierte Gruppen und Hierarchien ein.

Diese Organisation wird Pantheon genannt (d. h. die Gruppe aller Götter). Im Pantheon der griechischen und römischen Gottheiten hatte jeder Gott seine eigene Genealogie, eine einzigartige Persönlichkeit und Eigenschaften und war mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet.

Neben Helden und ihren Heldentaten drehen sich die griechisch-römischen Mythen um die Geschichten dieser übernatürlichen, unsterblichen und oft impulsiven Gottheiten, einschließlich der Art und Weise, wie sie über Leben und Tod der Menschen herrschten.

Den Mythen über Ursprung und Schöpfung zufolge begann alles mit dem Chaos, einem enormen und undeutlichen Nichts. Aus der Leere des Chaos entstand Gaia (die Erde), die Uranus (den Himmel) zeugte, der sie nach ihrer Geburt schwängerte. Aus der Vereinigung von Gaia und Uranus gingen die Titanen und die Giganten hervor.

Kronos und Rhea, die bedeutendsten Titanen, vereinigten sich und brachten die berühmtesten olympischen Götter hervor: Zeus, Hera, Hades, Poseidon, Demeter und Estia. Die griechischen Olympier (bei den Römern „Dei Consentes“ oder „Harmonische Götter“) sind die Hauptgötter der griechischen Mythologie.

Sie wurden so genannt, weil sie auf dem Olymp (dem höchsten Gipfel Griechenlands) lebten. Der Sage nach war der Olymp so hoch und neblig, dass die Heimat der Olympier unsichtbar war. Dort lebte Zeus, der Herr aller Götter, mit den wichtigsten Gottheiten: all seinen Brüdern, Schwestern und Kindern.

Wie in vielen antiken Zivilisationen, war die Anbetung ihrer Götter auch für Griechen und Römer ein Teil ihres täglichen Lebens. Um den Göttern zu huldigen, wurden in jeder Stadt Tempel errichtet, in denen die Gläubigen Votivgaben als Anbetung darbrachten.

Diese Tempel stellten die Wohnstätte des angebeteten Gottes dar und waren mit repräsentativen Statuen und Reliefskulpturen geschmückt, die von seinen wichtigsten Taten erzählten.

Neben den wichtigsten Tempeln, die Zeus und Athene gewidmet waren, gab es auch viele, die den Geschwistern Apollo und Demeter geweiht waren.

Mir schwirrt der Kopf. So viele neue Informationen zu einem Thema, welches mich über Goofy nie hinausgebracht hätte. Hier in der Ausstellung habe ich die Gelegenheit, tiefer in die Materie einzutauchen. Es gibt in meinem Freundeskreis einige, die sich in der Comic-Welt weit besser auskennen. Und ich glaube, dass ich sie alle nach dem Besuch dieser Ausstellung besser verstehen werde.

Protokoll Superhelden:

Vor dem Erscheinen von Superman im Jahre 1938 wimmelte es in den Comic-Heften von mutigen und tollkühnen Männern, die Technik und Magie nutzten, um den Frieden zu wahren. Sie waren wohlwollende, maskierte Schatten, die gegen Kriminelle und verrückte Wissenschaftler kämpften, die auf die Eroberung der Welt aus waren.

Diese Charaktere waren noch nicht als Superhelden bekannt, sondern als „Mystery Men“, die oft bunte Strumpfhosen trugen und Strahlenpistolen mit unwahrscheinlichen Designs verwendeten.

Beispiele sind:

  • – Weltraumreisende wie Flash Gordon und Buck Rogers
  • – Herrscher unberührter Dschungel wie Tarzan und The Phantom
  • – Zauberer im Smoking wie Mandrake
  • – Alte Ritter von Camelot wie Prinz Eisenherz

Diese männlichen Proto-Superhelden brachten eine ganze Generation von Kindern zum Träumen, auch wenn diese Träume noch keine Frauen und andere Geschlechter umfassten. Ich erinnere mich an Tarzan, Tibor und Prinz Eisenherz, die ich mit Freude gelesen habe. All diese Comics sind aus einer grundlegenden Periode in der Konstruktion des Superhelden.

Der menschliche Mythos ist zwangsläufig mit unserer Menschheitsgeschichte verflochten: Eine Zeitleiste vergleicht wichtige Weltereignisse, die parallel zu Momenten in Superhelden-Comics verlaufen.

1962 erzählt Marvels Onkel Ben dem jungen Peter Parker, bekannt als Spider-Man, dass „mit großer Macht auch große Verantwortung einhergeht“. Aber von welcher Art Macht sprechen wir hier?

Superkräfte entstehen durch Technologie, genetische Mutationen, wissenschaftliche Irrtümer oder göttliches oder außerirdisches Geburtsrecht. Außergewöhnliche Fähigkeiten, die über die Gesetze der Wissenschaft hinausgehen, unterscheiden Superhelden von gewöhnlichen Menschen.

Ihre Kräfte sind oft das Ergebnis einer überlegenen genetischen Ausstattung oder göttlicher oder außerirdischer DNA, manchmal aber auch als Folge von Radioaktivität und Atomexperimenten, die ihren Trägern ein Leben lang Segen oder Fluch bringen.

Diese Kräfte verändern das Leben der Person, die sie besitzt, und erzeugen Eifersucht, Angst, Groll und Ehrfurcht. Aus diesem Grund müssen Superhelden den Einsatz ihrer Macht abwägen und abwägen, wann sie sie zum Wohle der Gemeinschaft einsetzen.

Ein Held widersetzt sich dem Einsatz seiner Macht nur für seine eigenen Interessen. Superhelden sind nie wirklich allein: Normale Menschen arbeiten mit den halbgöttlichen Wesen zusammen und schließen sich der Mission für Gerechtigkeit durch hartes körperliches Training, Studium, Vorbereitung und Opferbereitschaft an.

In dieser Darstellung erhält Superman seine Kräfte durch seine außerirdische Herkunft und Wonder Woman durch ihr göttliches Erbe, während Batman, der einzige Sterbliche, auf Training, Disziplin und Studium angewiesen ist.

Superhelden können Vorstellungen von körperlicher, menschlicher Stärke und Schönheit widerspiegeln. Als solche werden sie zum Gegenstand von Statuen in limitierter Auflage mit künstlerischem und historischem Wert für Sammler. Diese Kunstwerke zeugen von der zeitlosen Faszination, die die Welt der Helden auslöst.

Für eine ganze Generation von Fans sind Superhelden zweidimensionale, auf Papier gedruckte Kunstwerke, die man Comic nennt. Für die jüngere Generation hingegen kommen Superhelden aus dem Kino und ihre Faszination liegt in der Kombination aus Spezialeffekten, fesselnden Schauspielern, aufwendigen Kostümen und hämmernder Musik.

Zwei der Hauptfiguren von Marvel, Spider-Man und Iron Man, werden hier dargestellt, um die Ästhetik aus Comic und Film zu vergleichen.

Als er von einer radioaktiven Spinne gebissen wird, wird das ganze Leben des Highschool-Schülers Peter Parker auf den Kopf gestellt und er beschließt, seine neuen Kräfte zu nutzen, um als der unglaubliche Spider-Man das Verbrechen zu bekämpfen.

Mit seinem Netz springt der junge Superheld zwischen den Wolkenkratzern von Manhattan hin und her, patrouilliert durch den Big Apple und wird zum Symbol des Kampfes der Anwohner gegen das Verbrechen.

Verglichen mit der filmreifen Erscheinung der Statue von Iron Man, die hier neben ihm gezeigt wird, weist diese Version von Spider-Man eine traditionellere Ästhetik auf; obwohl dreidimensional, ähnelt sie zweidimensionalen Comicfiguren. Spider-Man wird hier in seiner klassischsten Version dargestellt, die über die Jahre praktisch unverändert geblieben ist.

Der von Terroristen entführte und schwer verletzte Millionär und Ingenieur Tony Stark konstruierte eine Rüstung mit einem Elektromagneten, der verhindern sollte, dass ein Splitter sein Herz erreicht.

Als er die Vielseitigkeit seiner Erfindung erkannte, überarbeitete Stark sie und baute eine leistungsfähigere Version daraus, die ihn in einen heldenhaften Ritter in Rüstung verwandelte: der Rächer, Iron Man.

Für die jüngere Generation kommen Superhelden, wie schon erwähnt, aus dem Kino.

Diese Version von Iron Man ist nicht nur Ausdruck einer Superkraft, die ausschließlich durch Technologie erzeugt wird; sie ist auch Ausdruck einer filmischen Ästhetik: einnehmend, fesselnd und mit einer fanatischen Liebe zum Detail, die Fantasie und Vorstellungskraft mit Technik verbindet.

Für Kinder in den 1970er Jahren gab es nichts Spannenderes, als mit Superman in einem Fantasy-Abenteuer zu fliegen oder mit Spider-Man einen Wolkenkratzer zu erklimmen. Ein kleines amerikanisches Spielzeugunternehmen, die Mego Corporation, verstand das sehr gut und erwarb die Rechte an den Superhelden von Marvel und DC.

Sie verwandelten sie – zum ersten Mal – in bewegliche Plastikpuppen mit Vinylköpfen und Stoffanzügen. Die „World’s Greatest Super Heroes!“ eroberten die Welt, verkauften sich zwischen 1972 und 1983 millionenfach und zählen heute zu den begehrtesten Sammlerstücken. So sehr, dass sie als Ikonen der klassischen Popkultur gelten.

Ab den 1980er Jahren, als die Mego-Hyperbel zu Ende ging, kehrten die Superhelden in Form von Actionfiguren zurück, zunächst mit minimalen Gelenken, dann mit immer mehr Details, was einen faszinierenden Entwicklungspfad zeigt, der spielerische Kunst, Design und sich ständig weiterentwickelnde Produktionstechnologien kombiniert.

Actionfiguren werden zu einem sehr wichtigen Medium, um die Welt der Superhelden zu vermitteln, die durch Kostümwechsel, verschiedene grafische Gestalten, geheime Identitäten, Freunde und Feinde, Verabredungen und andere Informationen erzählt wird.

Sie sind zum Verständnis eines riesigen Universums erforderlich, dass sich in den mehr als achtzig Jahren seines Bestehens ständig verändert und aktualisiert hat.

So wandere ich weiter durch eine faszinierende Comic-Welt. Eine Welt, die ich so noch nie betrachtet habe. Mich erstaunt die Phantasie und Kreativität genauso wie das handwerkliche Geschick der Künstler mit ihrer Liebe zum Detail.

Kostüme, die in Phantasy-Filmen getragen wurden …

… bilden die Brücke hinein in unseren Alltag …

… dem wir manchmal auf eigene Art und Weise entfliehen wollen.

Eine besondere Spielvarisnte, die sich in den letzten Jahrzehnten herausgebildet hat, ist das Cosplay (Kostümspiel).In diesem Raum sind einige Kostüme ausgestellt, die von Fans geschneidert, auf Events getragen und auch prämiert wurden.

Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Und die Freude am Cosplay ist grenzenlos …

Aus diesem Blickwinkel hatte ich die Maskeraden noch nie betrachtet. Und ich kann nur sagen, dass sich in meiner Haltung zu diesem Thema einiges geändert hat.

Eine Randbemerkung sei noch erwähnt: Neben all diesen Proto- und Superheroen gab es noch eine kleine Sektion, in der ich zumindest ein paar der lustigen Helden meiner Kindheit angetroffen habe, die mir auch heute noch große Freude bereiten.

Und da die Weihnachtszeit vor der Tür steht, möchte ich euch diesen Kerl nicht vorenthalten. Grinch. Ich bin sicher, dass er auch für Euch etwas Lustiges im Sack dabei hat.

Fazit: Es war eine rundherum gelungene Ausstellung, die mir viel Neues und Wissenswertes vermittelt hat. Die Freude über diesen Besuch reicht weit über diesen Blogbeitrag hinaus.

Die Texte habe ich wegen ihrer Komplexität aber auch ihres guten Verständnisses größtenteils den Ausstellungstafeln entnommen. Diesbezüglich bitte ich alle um Verständnis. Ich hätte es mit eigenen Worten nicht annähernd so gut rüberbringen können.

Viel Spaß beim Lesen. Und … das ist noch nicht das Ende. Ich werde in den nächsten Tagen weiter berichten.

Ich weiß, dass ihr alle, die ihr mich begleitet, auch wissen wollt, wie es weitergeht. Danke, dass ihr weiterhin da seid.

Im Reich der Tiere, San Diego, California

22. November 2024

Ich lasse es heute sehr ruhig angehen. Ein Herzenswunsch ist es, den San Diego Zoo zu besuchen. Schon 1983 war ich von diesem Zoo begeistert und habe über 40 Jahre von diesem einen Besuch geschwärmt und all die Jahrzehnte den Wunsch gehegt, noch einmal hierher zu kommen.

Da der Zoo nur knapp 2 Kilometer von meinen Gastgebern entfernt ist, liegt er für mich in bequemer Reichweite. Und so mache ich mich zeitig und zu Fuß auf den Weg.

Der Zoo liegt im wunderschönen Balboa Park. Dieser Park umfasst eine Fläche von 4,9 km² und beherbergt neben dem Zoo eine Vielzahl kultureller Einrichtungen und Museen.

Im Bild oben ist das Balboa Parc Botanical Building zu sehen. Es wurde für die Panama–California Exposition 1915-16 erbaut und ist noch heute eines der größten Lattengebäude der Welt.

Zielstrebig, wenn auch langsam, schlendere ich hinüber zum Zoo. Schon der Eingang wartet mit einem Superlativ auf. Dort steht Rex, ein 8 Meter hoher und 9 Tonnen schwerer Bronzelöwe. Laut Auskunft der Firma Artworks Foundry in Berkeley, Kalifornien, die Rex gegossen hat, ist sie die größte freitragende Bronze-Tierstatue der Welt.

Freundlich, brüllend und springend läd er Groß und Klein zu einem Besuch im Zoo ein. Der Eintritt hätte mich 60 Dollar gekostet. Meine Gastgeber jedoch waren so großzügig und haben mir den Eintritt mit einer Freikarte spendiert.

Der Zoo fasziniert mich aus zwei Gründen: Erstens war er der erste Zoo weltweit, der völlig auf Gitter verzichtete und seine Tiere ausschließlich durch Gräben, Mauern und ähnliche bauliche Anlagen von den Besuchern trennte.

Außerdem kommt eine starke Begrünung sowohl der Gehege als auch der Besucherflächen hinzu, wobei die meisten Tiere in einem Nachbau ihres natürlichen Habitats leben. In diesen Habitaten wachsen die für das jeweilige Habitat typischen Pflanzen.

Die mit mehreren Tausen Pflanzenarten so gestalteten Lebensräume der Tiere reichen vom afrikanischen Regenwald über den borealen Nadelwald bis zur Tundra. Darüber hinaus hat der Zoo auch eine der größten Volieren weltweit.

Glücklich mache ich mich in dieser parkähnlichen Zooanlage auf meinen Weg, der mich zuerst zu den Mantel-Pavianen und anschließend …

… zu den Rotgesicht-Hornraben führt. Mit seinem großen Schnabel, dem schwarzen Gefieder und der rötlichen Färbung der unbefiederten Gesichts- und Halspartien ist dieser Vogel eindeutig zu identifizieren. Er ist ein Charaktervogel der afrikanischen Savannen südlich des Äquators.

Für eine Weile bleibe ich bei den kleinen Erdmännchen stehen und schaue ihrem Treiben zu.

Diese geselligen, neugierigen und immer wachsamen Tiere haben mehr zu bieten als Knopfaugen und niedliche Posen. Wer sich mit ihnen beschäftigt, wird ein hochinteressantes Sozialsystem kennenlernen.

Es folgen mehrere Folieren, in denen unter anderem der Kalifornische Kondor gehalten wird. Diese riesigen Vögel waren 1980 fast ausgestorben. Zu dem Zeitpunkt lebten in freier Wildbahn nur noch 22 Vögel, ein weiteres Brutpaar befand sich in Gefangenschaftshaltung.

Maßgeblich der San Diego Zoo Safari Park und der Zoo von Los Angeles starteten ein Erhaltungsprogramm. 1988 schlüpfte erstmals ein Küken in menschlicher Obhut. Bereits 1992 wurden die ersten Kalifornienkondore wieder bei Big Sur im Los Padres National Forest ausgewildert.

Eine bedeutende Ursache für das Beinahe-Aussterben liegt in der Vergiftung der Vögel mit metallischem Blei aus Jagdmunition, wobei insbesondere Schrotkugeln, welche die Tiere beim Fressen an Kadavern von geschossenem Wild aufnehmen, die zentrale Vergiftungsquelle darstellen.

Nur durch das totale Verbot von Bleimunition und die Einhaltung dieser Regelung wird die Reproduktionsrate groß genug sein, den Erhalt dieser Tierart auf Dauer zu erreichen. Und das ist leider bis heute nicht der Fall.

Ich strolle vorbei an großen Ausläufen für Kamele …

… und Elefanten. Diese größten Säugetiere verbringen bis zu 16 Stunden am Tag mit Fressen und können an einem Tag bis zu 150 Kilogramm Nahrung verspeisen. Afrikanische Elefanten sind Weidegänger und fressen eine Vielzahl von Pflanzen, darunter Gräser, Blätter, Sträucher, Rinde und Bäume.

Der Zoo verfügt über ein Elefantenpflegezentrum, wo man Wildtierpflegeexperten dabei zusehen kann, wie sie Elefantenfüße schrubben. Oder man beobachtet Elefanten bei ihren eigenen Gesundheits- und Wellnessroutinen.

Im Unterholz entdecke ich einen Trupp Kragentauben. Diese Tiere fallen insbesondere durch ihr glänzendes Gefieder auf.

Der Kopf ist schwärzlich blaugrau, leicht silbrig überhaucht befiedert. Am Nacken und am Hals hat er verlängerte Federsträhnen, die blau, grün und bronzefarben irisieren. Am Rücken und auf den Flügeln sind die Federn metallisch grün, die Schwung- und Deckfedern dagegen blau. Der Schnabel ist schwärzlichgrau. Ein wahrlich bunter Vogel …

Diese Katze zeigte mir nur ihren wunderschön gezeichneten Rücken. Leopard oder Jaguar – die Frage kann ich leider nicht beantworten.

Fütterung der Löwen. Es ist schon faszinierend, zu sehen, wie geschickt das Tier den großen Schenkelknochen abnagt.

Der Ameisenbär ist ein hochspezialisierter Einzelgänger, der im Laufe seiner Evolution zwar seine Zähne eingebüßt, dafür aber in seiner röhrenförmigen Schnauze eine lange Zunge entwickelt hat, mit der er aus Termitenbauten, deren Hülle er mit sein kräftigen Krallen an den Vorderfüßen aufreißt, seine Nahrung mittels der eingespeichelten Zunge aufleckt.

Imposant sind auch die Eisbären. Als größte Raubtierart an Land, gehören sie zu den Säugetieren mit dem größten Gewichtsunterschied zwischen den Geschlechtern. Männliche Eisbären wiegen 300 bis 1.000 Kilogramm, die Weibchen 150 bis 250 Kilogramm.

Das Fell erscheint weiß. Die Haare allerdings sind eigentlich durchsichtig, die Deckhaare zusätzlich hohl. Eisbären haben eine schwärzliche Haut, welche die Sonnenenergie absorbiert. Ihr dickes Fell bildet ein isolierendes Luftpolster, und die 5 bis 10 cm dicke Körperfettschicht trägt zusätzlich dazu bei, dass die Tiere in ihrem eisigen Lebensraum überleben können.

Ihre Krallen gleichen Spikes, ihre Tatzen Schneeschuhen, und die Nickhaut am Auge fungiert als Schneebrille. Darüber hinaus verfügen Eisbären über eine Superspürnase. Damit sind sie in der Lage, ihre Nahrung auch tief unter der Schneedecke aufzuspüren.

Ein ganz seltener Zoogast, den ich noch nie gesehen habe, ist die Harpye, einer der größten Greifvögel weltweit und physisch der stärkste.

Die Bezeichnung Harpyie ist der griechischen Mythologie entlehnt. Die Harpyien der Griechen waren vogelähnliche Dämonen des Sturms. Sie hatten den Körper eines Greifvogels, einen Frauenkopf und Vogelflügel. Es waren schreckliche Ungeheuer, die Nahrung und Kinder stahlen.

Hier streift ein Amurleopard durchs Unterholz. Sein eigentlicher Lebensraum ist die Taiga im Osten Sibiriens nahe der chinesischen Grenze. Von allen Leoparden sind Armurleoparden am nordöstlichsten verbreitet.

In Anpassung an das Klima ihres Lebensraumes haben sie ein sehr dichtes, langhaariges Fell. Besonders das Winterfell ist sehr dicht und weist auf einem Quadratzentimeter etwa 3.000 Haare auf. Der aktuelle Wildbestand wird auf weniger als 14-20 Erwachsene und 5-6 Jungtiere geschätzt (2007).

Auch dieser Primat, ein Tonkin Schwanzlangur schaut in eine ungewisse Zukunft. Tonkin-Schwarzlanguren sind schlanke, langschwänzige Primaten. Ihr Fell ist überwiegend schwarz gefärbt, von den Mundwinkeln bis zu den Ohren erstreckt sich ein weißer Streifen.

Auffällig ist der lange Haarschopf an der Oberseite des Kopfes. Sein Lebensraum im südlichen China und nördlichen Vietnam sind die dortigen mit Regen- oder Monsunwäldern bestandenen Karstgebiete.

Die Hauptbedrohung der Tonkin-Languren stellt der Verlust ihres Lebensraums durch Waldrodungen dar. In Vietnam z. B. wurde ihr Verbreitungsgebiet durch Bombardements und den Einsatz von Entlaubungsmitteln im Vietnamkrieg stark in Mitleidenschaft gezogen. In Vietnam dürfte die Gesamtpopulation nicht mehr als 500 Tiere betragen.

Der Königstiger im San Diego Zoo hat zwar ein sicheres Zuhause, ist aber in seiner Art in seinem Lebensraum bedroht.

Der grundsätzliche Lebensraum des Königstigers ist, wie bei allen Arten Südostasiens, der Dschungel. Er bevorzugt dichte Vegetation und die Nähe zu Wasser.

Die ehemalige indische Premierministerin Indira Gandhi setzte sich sehr für den Schutz der wilden Tiere Indiens, insbesondere aber des Tigers, ein:

Unsere eigenen Anstrengungen zur Rettung der Naturschätze Indiens konzentrieren sich auf den Tiger. Welch anderes Tier kann so wie er in der Verschmelzung von Eleganz und Stärke unsere Phantasie entflammen; so spektakulär das unersetzliche symbolisieren! Der Tiger hat unter dem Menschen schwer gelitten. Er wurde gejagt und grausam verfolgt. Sein Lebensraum wurde stark beschnitten. Heute steht er am Rande der Ausrottung.“
Indira Gandhi (1974)

Und daran hat sich bis heute nichts geändert …

Der Schabracken Tapir ist der größte Vertreter der Tapire und die einzige in Südostasien lebende Tapirart. Der Name leitet sich von der farblich abgesetzten Rückenpartie ab, die an einen im Reitsport als Schabracke bezeichneten Überwurf erinnert.

Der Schabrackentapir bewohnt die tropischen Regenwälder der Flachländer, kommt aber auch in Höhen bis über 2.000 m vor. Er lebt als Einzelgänger und ernährt sich von weicher Pflanzennahrung.

Sein Verbreitungsgebiet ist durch Lebensraumzerstörung stark zersplittert, die möglicherweise maximal 2.000 Individuen umfassende Gesamtpopulation wird als stark gefährdet eingestuft.

Charakteristisch ist das Fellmuster des Schabrackentapirs. Die vordere Hälfte des Körpers und die Hinterbeine sind schwarz, der hintere Rumpf ist weiß. Dieses Muster ist eine wirkungsvolle Tarnung, da der Tapir sich im Dunkel des Regenwaldes gegen seinen Hintergrund nur teilweise abhebt und potentielle Räuber die Tapirart nicht erkennen.

Die Heimat der Brazzameerkatzen ist das zentrale Afrika von Kamerun im Nordwesten über Äthiopien im Nordosten bis zur Demokratischen Republik Kongo und dem nördlichen Angola im Süden.

Ihr Habitat sind feuchte Wälder, wobei sie oft in der Nähe von Wasser zu finden sind. Sie bevorzugen sumpfige oder saisonal überflutete Lebensräume und leben nie weiter als einen Kilometer vom nächsten Fluss oder See entfernt.

Diese Rotschwanzmeerkatze ließ sich durch einen Besucher, der die Körperbewegungen des Tieres nachahmte, anlocken. War das Tier erst ca 30 Meter vom Zaun entfernt, näherte es sich uns Menschen langsam auf wenige Meter.

Sie sind tagaktiv und leben sowohl am Boden als auch auf den Bäumen und können darüber hinaus auch ausgezeichnet schwimmen.

Eine besonders imposante Begegnung hatte ich mit diesem Gorilla. Alle Gorillaarten sind bedroht, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß.

Ein Grund für die Gefährdung liegt in der Zerstörung ihres Lebensraumes durch die Rodung der Wälder. Hinzu kommen bürgerkriegsähnliche Zustände in Teilen ihres Verbreitungsgebietes, welche die nötigen Schutzmaßnahmen erschweren und eine effiziente Überwachung von Schutzgebieten nahezu unmöglich machen.

Einen weiteren Grund stellt die Bejagung wegen ihres Fleisches („Bushmeat“) dar, die immer noch durchgeführt wird. Auch Krankheiten ziehen die bereits angegriffenen Populationen weiter in Mitleidenschaft, insbesondere Ebola.

Die Gesamtpopulation der Gorillas wird auf rund 365.000 Tiere geschätzt, die sich allerdings sehr unterschiedlich auf die einzelnen Populationen verteilen.

Ein weiteres Highlight meines Spaziergangs durch den Park möchte ich ebenfalls mit euch teilen: die Kuba-Flamingos.

Das Gefieder der Kubaflamingos ist im Prachtkleid einheitlicher und kräftiger rosa als das des Rosaflamingos. Die vordere Schnabelhälfte ist schwarz, die andere, der Schnabelbasis nähere, ist gelblich-rosa. Die Beine sind einheitlich rosa-fleischfarben.

Sie sind sebst in der Dämmerung ein wunderschöner Lichtblick. Nicht umsonst scharen sich ganze Menschentrauben am Zaun vor ihrem Freigehege und freuen sich über dieses Farbspektakel.

Der San Diego Zoos beherbergt eine große Vielfalt außergewöhnlicher Pflanzen aus Lebensräumen auf der ganzen Welt.

8 anerkannte Pflanzensammlungen sowie Tausende von Pflanzen, die den Lebensraum der Wildtiere bilden und in denen ich durch üppige, exotische und friedliche Landschaften wandere, finden hier ein Zuhause.

Von Pflanzen, die für ihre farbenfrohen Blüten bekannt sind, über stattliche, Schatten spendende Bäume bis hin zu stacheligen Wüstenbewohnern – auf Schritt und Tritt löst diese Tier und Pflanzenwelt bei mir Bewunderung aus.

Schon 1983 hatte mich dieser Zoo fasziniert. Und seitdem bestand bei mir der Wunsch, hier noch einmal herzukommen. 41 Jahre später, fast um die selbe Jahreszeit, habe ich die Gelegenheit genutzt und mir diesen Traumwunsch erfüllt.

Es war ein wunderbarer Tag, der meine Erinnerungen an diesen Zoo bei weitem übertrifft. Vieles hat sich seit damals getan. Und alles hat sich seitdem noch mehr verbessert und verschönert.

Mir hat der Besuch des Zoos sehr gut getan. Hier konnte ich heute anfangen, meine Reise zuende zu bringen. Hier hatte ich Zeit zur Muße, ohne dass mich der Leistenbruch plagte. Hier hatte ich Zeit, darüber nachzudenken, wie fragil meine, unsere Umwelt auf all die negativen Einflüsse, die von uns Menschen ausgehen, reagiert.

Einmal mehr ist mir klargeworden, wie schützenswert all die Tiere und Pflanzen sind, die ich heute gesehen habe. Ich bin sooo dankbar für diesen Tag und wünsche mir, dass auch ihr, die ihr mich treu begleitet, die Chance nutzen könnt Ähnliches zu erleben.

Visa Run in San Diego, California

21. November 2024

Die Nacht war relativ ruhig. Ich war zuerst skeptisch. Aber meine Müdigkeit und auch Erschöpfung war doch so groß, dass ich durchschlafen konnte.

In der Leiste habe ich ein ziehendes Gefühl. Und so mache ich mich zuerst auf zu einer Ambulanz. Dort bitte ich um ein kurzes Gespräch mit einem Arzt, um anschließend erst einmal alle Formalitäten zu klären.

Schon gestern hatte Biggi alles mit meiner Langzeitreisekrankenversicherung bei der ADAC abgeklärt und das genaue Procedere besprochen.

Klar war aber auch, dass wir in Vorleistung gehen und allein die Untersuchungen wie Sonographie, Röntgen und CT, um die genaue Lage und Größe der Hernie abzuklären, 10.000 Dollar kosten kann. Von der OP nicht zu reden. Und nach der OP darf ich mich mindestens 1 Monat nicht belasten.

Schnell waren wir uns einig, dass ich – wenn der Arzt mir die Flugtauglichkeit bestätigt – nach Deutschland zurückkomme.

Ich erzähle dem Arzt also von meiner Reise. Er zeigt sich sehr interessiert und führt mich in ein Gesprächszimmer. Fast eine Stunde nimmt er sich Zeit für meine Tour, fragt begeistert nach, bevor ich auf den eigentlichen Grund meines Besuches zu sprechen komme.

Dann fordert er mich auf, sich die Leiste anschauen zu dürfen. Ich bitte ihn, damit zu warten, bis ich alle Formalitäten mit meiner Krankenkasse geklärt habe. Ich befürchte einfach, durch einen Formfehler meinerseits auf hohen Kosten sitzen zu bleiben. Worauf der Arzt mir sagt, dass er die Untersuchung nicht in Rechnung stellen wird.

Am Ende bekomme ich dann die „Quittung“: Ich soll mit dem Radfahren stoppen und den Bruch möglichst schnell operieren lassen. Entweder in den USA oder in Deutschland. Er bescheinigt mir also die Flugfähigkeit und gibt mir noch ein paar Verhaltensregeln mit auf den Weg. Dann wünscht er mir alles Gute und begleitet mich noch zum Ausgang. Das war’s.

Da in wenigen Tagen meine Aufenthaltserlaubnis abläuft und ich nicht weiß, wie schnell es jetzt mit einem Rückflug klappt, entscheide ich mich, zur Grenze zu fahren, um eine Verlängerung meines Aufenthalts genehmigt zu bekommen.

Dafür steige ich noch einmal aufs Fahrrad. Ohne Gepäcktaschen fährt es sich viel leichter. Und bis auf einen kleinen Hügel kurz vor der Grenze ist es weitestgehend flach und somit wenig belastend.

Bis zur Grenze sind es circa 14 Meilen. Mein Gastgeber hat mir eine Fahrradkarte gegeben, die mir in dieser Großstadt gute Hilfe leistet. Allerdings hatte ich geglaubt, dass der Weg entlang der San Diego Bay idyllisch sei und unter Palmen und an Sandstränden entlangführt.

Stattdessen geht es entlang der Küste, auf ausgewiesenem Radweg durch den Industriegürtel der Stadt. Trotz des starken Verkehrs fühle ich mich auf den Radwegen dieser Stadt sicher. Unsicherheit kommt nur an den Stellen auf, an denen die Wegführung nicht eindeutig ist.

Da die Straßenführung in Amerika sehr stark von Stoppschildern geprägt ist, dauert es entsprechend lange, durch die Stadt zu kommen. In der Regel wechseln die Stoppschilder aufeinanderfolgender Kreuzungen: Ich stoppe an einer Straßenkreuzung. An der nächsten Kreuzung habe ich Vorfahrt. An der darauf Folgenden muss ich dann wieder vor dem Stoppschild anhalten.

So geht das über Meilen. Schwierig sind für mich nur mehrspurige Straßen, wo ich nach links abbiegen muss. Hier entscheide ich von Fall zu Fall, wie ich mich im Kreuzungsbereich verhalte.

Bei wenig Verkehr wechsle ich direkt und gefahrlos in die Linksabbiegerspur. Bei regem und starkem Verkehr überquere ich die Fahrbahn im Geradeausverkehr, steige dann vom Fahrrad und ordne mich auf dem Fahrradweg in die gewünschte Fahrtrichtung ein.

Dort, wo Markierungen für abbiegende Radfahrer auf die Fahrbahn aufgetragen sind, ist es für mich leicht und ungefährlich, die Kreuzung zu queren.

Nach 3 Stunden erreiche ich den Grenzübergang. Ich verlasse die USA nicht. Es erscheint mir zu heikel. Ich hab ja kein Gepäck dabei. Und sollte mir wider Erwarten die Einreise verwehrt werden, stünde ich da …

So suche ich ein großes Verwaltungsgebäude an der Grenze auf und versuche mein Glück. Vor dem Eingang des Gebäudes stehen zwei mit Schutzkleidung ausgestattete, bewaffnete Polizisten. Ich wende mich an sie mit meinem Anliegen.

Daraufhin bitten sie mich, vor dem Eingang des Gebäudes auf einen Mann in blauer Dienstjacke zu warten. Das Gebäude selber darf ich von dieser Seite aus nicht betreten. So trete ich zurück, um zu warten und mein Fahrrad an einem Lichtmast anzuschließen.

Sogleich pfeift mich einer der beiden Polizisten an, dass das verboten sei. Schließlich befinde ich mich auf staatlichem Privatgrund. Ein Fahrradständer ist nicht in der Nähe. Und so bleibe ich die ganze Zeit neben meinem Fahrrad und warte in Sichtweite des Eingangs auf meinen Ansprechpartner.

Nach mehr als einer Stunde des Wartens kommt einer der Polizisten zu mir herüber und fragt, warum ich immer noch da stehe. Bisher ist kein Mitarbeiter in blauer Dienstjacke bei mir gewesen. Darauf deutet der Polizist an, sich persönlich um meine Angelegenheit kümmern zu wollen und verschwindet in dem Gebäude.

Minuten später ist er wieder zurück und teilt mir mit, dass ich am falschen Ort und bei der falschen Behörde sei. Die für mich zuständige Behörde, die USCIS hat ihren Sitz in San Diego. Sie ist keine 2 Kilometer von meinen Gastgebern entfernt. Ich hätte mir den Weg also sparen können. OK.

Wenn ich schon einmal an der Grenze bin, so kann ich auf meinem Rückweg auch zum südwestlichten Punkt der USA fahren. Dort soll der von Trump so favoritisierte, hohe, mit Stacheldraht bewehrte Grenzwall in voller Größe bis an den Pazifik reichen. Ich erreiche diesen Ort jedoch nicht.

Am Eingang zum Border Field State Park ist Schluss. Mein Gastgeber hatte mir den Besuch dieses Ortes empfohlen. So bleibt mir nur der Verweis auf das Internet. Und ich überlege, warum alle Wege, die westlich des Grenzüberganges auf amerikanischem Gebiet liegen, gesperrt sind.

Während meiner kurzen Anwesenheit am Parkeeingang passieren mich mehrere Polizei- und Border Control Fahrzeuge und verschwinden auf staubiger Piste hinter der nächsten Kurve.

Da noch genügend Zeit für einen Besuch bei dem USCIS (US Citizenship and Immigration Service) ist, mache ich mich auf den Heimweg.

Diesmal nehme ich den Weg entlang der Route 75, die parallel zum Silver Strand Beach Park westlich der San Diego Bay auf schmalem Sandstreifen verläuft.

Auch hier fahre ich die ersten Meilen entlang eines hohen Walls, auf dessen Krone sich gleichfalls über Kilometer ein stacheldrahtbewehrter Zaun hinzieht, der den Silver Strand Trainings Complex als militärische Einrichtung vor neugierigen Blicken schützt.

Der Radweg führt den Highway entlang. Leider verhindert dieser Highway über die gesamte Strecke entlang des Silver Strand Beach Parks die Sicht auf den Pazifik.

Trotzdem ist dieser Radweg etwas abseits ein Genuss. Breit, gut ausgebaut und ohne Schockwellen im Asphalt. Und man wird belohnt mit einer freien Sicht auf die an manchen Stellen 4 km breite San Diego Bay.

Gegen 14.45 Uhr erreiche ich Coronado Island. Der Ort Coronado liegt auf einer Halbinsel, die über die Coronado Bridge mit der California State Route 75 zu erreichen ist.

Da es verboten ist, mit dem Fahrrad über diese Brücke zu fahren, muss ich die Fähre nehmen. Der Radweg führt an der Bayseite am Ort Coronado vorbei.

Hier steht das Hotel del Coronado, ein berühmtes altes Luxushotel. Es ist eines der wenigen erhalten gebliebenen Exemplare eines hölzernen victorianischen Strandhotels. Es ist das älteste und sogleich größte Holzgebäude in Kalifornien.

Leider waren wichtige Teile eingerüstet, und so verzichte ich auf ein Foto. Abgebildet seht ihr nur das Bluewater Boathouse in der Glorietta Bay, in dem heute ein Seafood Grill untergebracht ist. Es ist das ehemalige Bootshaus des Hotel del Coronado und wurde 1888 erbaut.

Auf dem Weg zum Fähranleger habe ich immer wieder freien Blick auf die elegante Coronado Bridge, die den Ort mit dem Festland verbindet.

Mit leichtem Schwung führt dieses Brückenbauwerk in großem Bogen über die Bay nach San Diego.

Kleine Badestrände entlang meiner Route laden zu Verweilen ein und bieten gleichfalls einen schönen Blick auf die Skyline San Diegos.

Hier und da entlang des Rad- und Wanderweges wurden moderne Skulpturen aufgestellt. Einige davon witzig, andere durchaus interessant wie dieses aus Metallbändern geformte Antlitz.

Um kurz vor 15 Uhr erreiche ich die Fähre, die mich wieder zurückbringt aufs Festland. Für die Nutzung zahle ich 9 Dollar. Dann geht es zum USCIS, wo ich zwanzig Minuten später eintreffe. Nach einigem Suchen finde ich den verschlossenen Eingang zu dieser Behörde.

Die hat nur bis fünfzehn Uhr geöffnet. Außerdem bedarf es einer Online-Anmeldung, ohne die einem kein Einlass gewährt wird.

Ich bin genervt. Fast nichts habe ich heute erreicht. Lediglich der Aztbesuch war „erfolgreich“. Enttäuscht über die Ergebnisse des Tages fahre ich zurück zum Fähranleger. Von dort schlendere ich auf der Promenade die Hafenanlagen entlang.

Die Skyline San Diegos ist noch nicht so zugebaut mir Wolkenkratzen wie die Skyline New Yorks, Hong Kongs oder anderer Großstädte.

Deshalb bietet sie immer wieder interessante Einblicke.

Ein ganz besonderes Highlight ist das Rady Shell im Jacobs Park. Diese Open Air Konzerthalle wird vom San Diego Symphony Orchestra betrieben. Das Orchester führt hier im Sommer Symphoniekonzerte auf.

Daneben wird die Anlage für weitere Konzerte auch der Popmusik genutzt. Zu den in den letzten Jahren aufgetretenen Musikern gehören unter anderem Sting, Boyz II Men, Leon Bridges, Stewart Copeland, Sheryl Crow, Norah Jones, Gladys Knight, Ledisi, Smokey Robinson, Olivia Rodrigo, Ben Platt, Charlie Puth, Lea Salonga und Brian Wilson.

Ein beeindruckendes, für die Öffentlichkeit an konzertfreien Tagen frei zugängliches Gelände. Und die Konzerte selbst müssen großartig sein …

Langsam neigt sich der Tag seinem Ende zu. Gegen 17.00 Uhr wird es dunkel. So mache ich mich auf den Weg zu meinen Gastgebern.

Die einzige Angelegenheit, die ich heute noch erledigen muss, ist die Online-Anmeldung meines Besuchs bei der USCIS. Nach über 4 Stunden Beschäftigung mit dieser Anmeldung, die einen Antrag meines Aufenthaltes auf Verlängerung beinhaltet und kostenpflichtig ist, habe ich es endlich geschafft. Zwar hab ich noch keine Bestätigung. Aber ich laufe nicht Gefahr, illegal in den USA zu sein.

Natürlich habe ich tagsüber Kontakt mit meiner Frau gehalten, um Lösungen für die aktuelle Situation zu finden. Während ich also meinen Antrag abgeschickt habe, war Biggi nicht untätig und hat ihrerseits alle Hebel in Bewegung gesetzt, um einen Rückflug für mich zu organisieren.

Sie konnte für mich in dieser Kürze einen Rückflug für den 25. November buchen. Und zwar direkt von San Diego aus. 2 Tage vor Ablauf meiner Aufenthaltserlaubnis. Ich hätte also die Verlängerung des Visums gar nicht gebraucht.

So, das war kein Tag nach meinem Geschmack. Jetzt gilt es, die verbleibende Zeit sinnvoll zu planen und die Rückreise zu organisieren.

Ich muss eine Box für das Fahrrad organisieren und, und, und …

Aber das mache ich heute nicht mehr. Es wird Zeit, mich hinzulegen. Das entlastet den Bruch. So danke ich vor allem meinen Gastgebern, die mir ohne zu Zögern die Möglichkeit bieten, bis zur Abreise bei Ihnen zu wohnen.

Der Abschied tut natürlich weh. Ich hätte mir noch ein halbes Jahr gewünscht. Aber die Gesundheit geht vor. Die verbleibende Zeit werde ich nutzen, um San Diego noch besser kennen zu lernen – und zwar zu Fuß …

Von Carlsbad nach San Diego, California

20. November 2024

Dieses frühe Aufstehen fällt mir schwer. Ein Leben lang habe ich es genossen, etwas später aufzustehen und dafür am Abend länger aufzubleiben. Das macht jetzt jedoch keinen Sinn. Das würde die zum Radfahren zur Verfügung stehende Zeit nur verkürzen.

Also raus aus den Federn, kurz duschen, rein in die Klamotten und Zelt abbauen. Anschließend ein leckeres Frühstück. Greg weiß, was der Radfahrer braucht. Und so landen eiweiß- und kalorienreiche Kost auf meinem Teller.

Noch ein lebhafter Plausch. Greg kennt die Route, die ich heute absolviere in- und auswendig. Er ist diese Küste zwischen Santa Barbara und San Diego wohl über 25 Mal entlang geradelt. Und ich traue ihm ohne Weiteres zu, es auch ein 26. Mal in Angriff zu nehmen.

So früh am Morgen ist es noch ein wenig dunstig und recht kühl. Ich fahre langsam.

Meine Leiste macht sich bemerkbar. Das Druckgefühl ist unangenehm und verschwindet die nächsten Stunden kaum. Gott sei Dank ist die Strecke relativ flach. Ein paar moderate Steigungen. Das war’s.

Mein Ziel ist klar: Ich muss in San Diego über die Grenze, um mein Visum zu verlängern, sonst bin ich in wenigen Tagen illegal hier.

In Encinitas komme ich an einem Temple der Self-Realization Fellowship (SRF) vorbei. Einer internationalen religiösen Organisation, die 1920 von Paramahansa Yogananda gegründet wurde, um die universellen Lehren des Kriya Yoga zu verbreiten, einer heiligen spirituellen Wissenschaft, die vor Jahrtausenden in Indien entstand.

Mein Meditationstempel ist die Natur. Sie bietet mir alles, was ich für meinen Geist und Körper brauche.

In Del Mar ist schon, wie in so vielen weiteren kleinen Küstenorten, ein üppiger Tannenbaum aufgestellt und kündigt zeitig das bevorstehende Weihnachtsfest an.

Mitunter ein wenig versteckt in den Bluffs, sieht man prächtige Wohnhäuser. Nicht alle stehen auf sicherem Grund. So manches dieser Häuser befindet sich heute in einer kritischen Lage, da die Pazifikstürme ständig an der Küste nagen.

Dieses Haus scheint auf festem Fels gebaut zu sein und bietet so seinen Bewohnern eine sorgenfreie Aussicht auf den Pazifik …

Meist sind die Strände entlang der Küste nicht breit. Dafür ziehen sie sich oftmals über viele Kilometer dahin. Der Zugang zu den Stränden ist vielerorts einzigartig. Im Grunde fährt man mit dem Auto zum Strand, parkt das Auto auf den dafür vorgesehenen Seitenstreifen und läuft die letzten paar Meter zum Strand.

Gelegentlich fahre ich am Fuße der Bluffs entlang. In diesem Bild ist sehr schön die Erosion zu erkennen, die den Steilküsten ständig zusetzt.

Dieses Lockermaterial ist auch dafür verantwortlich, dass es entlang der kalifornischen Küste immer wieder zu Erdrutschen kommt.

Eine Schlüsselstelle liegt bei Big Sur. Hier hat vor wenigen Jahren ein gewaltiger Erdrutsch die Straße mit sich in die Tiefe gerissen. Bis heute konnten die aufwendigen Reparaturarbeiten nicht abgeschlossen werden.

Schließlich erreiche ich San Diego. Auf ausgebautem Radweg geht es in die Stadt. An einigen Stellen ist die Beschilderung der Radwege sehr gut. Oftmals jedoch vermisse ich eine ausreichende Beschilderung.

Als achtgrößte Stadt ist das Verkehrsaufkommen in San Diego enorm. Und so bin ich jedes Mal froh, wenn ich irgendwo auch nur eine kleine Strecke auf einem Radweg fahren kann. Nach meinem Gefühl sind hier andere Städte schon viel weiter.

Es geht weiter auf einem Radweg die Küste entlang. Vorbei an Halbinseln, die mit ihrem Palmenbestand fast wie eine künstliche Landschaft wirken.

Vorbei an Lagunen, die von allen Seiten über einen breiten weißen Sandstrand zugänglich sind.

Viele Badegäste sind es nicht, die sich um diese Jahreszeit am weiten Strand aufhalten. Ich treffe eher auf Spaziergänger, Rollschuhfahrer, Inlineskater, Skateboardfahrer und natürlich auch Radfahrer.

Ich habe noch etwas Zeit vor dem Sonnenuntergang und so lasse ich mich treiben und genieße einfach die Zeit unten am Strand. Einzig und allein meine Leiste macht mir große Sorgen. Ich werde einen Arzt konsultieren und sehen was dabei herauskommt.

Zuerst geht es zu meinen Gastgebern Victoria und Judd, die mich herzlich empfangen. In ihrem kleinen, sichtgeschützten Garten darf ich auf künstlichem Rasen mein Zelt auf- und sogar Heringe in den Boden einschlagen.

Judd führt mich im Garten herum und zeigt mir, wo die Küchenutensilien und die Dusche sind. Ein kleiner unscheinbarer Schrank entpuppt sich als meine kleine Küche.

Hier haben meine Gastgeber neben Geschirr und Heißwasserkocher auch Bohnenkaffee, Teebeutel und Haferflocken bereitgestellt. Eine pfiffige Idee …

Die Freiluftdusche mit fließend Warm- und Kaltwasser ausgestattet befindet sich in einem anderen Teil des Gartens.

Neben Victoria und Judd gibt es noch weitere Mitbewohner. Da ist einmal Theodor, ein recht großer, 12 kg schwerer Kater. Dann gibt es einen freundlichen Hund namens Oliver. Und neben drei Hühnern und zwei Bienenvölkern tummeln sich in einem kleinen Teich etliche große Kois. Ich bin also nicht allein.

Das ist Theodor.

Victoria hat Leckeres gekocht, und ich bin zum Dinner eingeladen. Schon bald nach dem Abendessen ziehe ich mich in mein Zelt zurück. Morgen werde ich einen Arzt aufsuchen. Und dann werde ich sehen, wie es weitergeht.

Von Laguna Beach nach Carlsbad, California

19. November 2024

Ich stehe jetzt immer sehr früh auf. Mein Rhythmus hat sich geändert. Zwischen 6 und 7 Uhr wird es hell. Und gegen 17 Uhr ist spätestens der Sonnenuntergang.

Wenn ich um 8 Uhr losfahre habe ich insgesamt 8 Stunden bei Tageslicht, die ich effektiv nutzen kann. Ziehe ich die Pausen ab, die ich mache, bleiben mir gut 6 Stunden zum Radfahren. Das kommt mir durchaus entgegen. Habe ich doch in den letzten Tagen die Distanzen verkürzt. Ich fahre jetzt nur noch 30 bis 40 Meilen pro Tag.

Wie schon in den vergangenen Tagen geht es die Küste entlang. Mal fahre ich am Rand der Klippen, dann wieder unten am Ufer des Pazifiks.

In San Clemente endet der Bike Trail und ich muss für einige Meilen auf die Interstate wechseln.

Es sind nur wenige Meilen. Dann verlasse ich die Interstate und wechsle auf den Alten Pacific Highway. Doch nach wenigen Meilen scheint Schluss zu sein. Ein Zaun versperrt mir die Weiterfahrt. Die Militärbasis Camp Pendelton liegt zwischen mir und meinem heutigen Ziel.

Nach Kurzer Suche entdecke ich eine Lücke im Zaun, die offensichtlich für Radwanderer und Fußgänger eingerichtet wurde. Ich atme auf. Der Umweg um das Camp hätte mich einen weiteren Tag gekostet. So aber kann ich auf komfortablem Radweg abseits des Verkehrs weiter radeln.

Ich genieße die Ruhe und die weite Aussicht auf diesem kleinen Abschnitt entlang der Pazifikküste.

Schließlich ist endgültig Schluss auf dem alten Pacific Highway. Ratlos schaue ich mich um. Und dann fällt mir auf, dass der Zugang zur Interstate für Radfahrer geöffnet ist. Also weiter…

Zwar herrscht auf der Interstate starker Verkehr. Mir steht jedoch die breite Schulter neben der Fahrbahn zur Verfügung. Und auf der lässt es sich gut fahren. Außerdem ist sie erstaunlich sauber, was nicht selbstverständlich ist.

In Oceanside gönne ich mir eine kleine Pause am Hafen. Hier komme ich mit zwei älteren Damen ins Gespräch. Die eine stammt aus Südkorea, die andere von der Ostküste der Vereinigten Staaten.

Munter und voller Freude reden sie auf mich ein. Da ist keine Scheu. Pure Neugier treibt die Damen an. Begeistert lauschen sie meinem kleinen Bericht über meine Reise, stellen immer wieder Fragen und erzählen mir, dass ich auf meiner Reise mehr gesehen habe, als sie in ihrem ganzen Leben.

Am Ende unserer kleinen Unterhaltung schenkt mir eine von beiden einen kleinen Briefumschlag. Es ist ihr persönliches Dankeschön an mich. Später, als ich den Brief öffne, erkenne ich, dass ich mich mit zwei Damen der Zeugen Jehowas unterhalten habe – ganz weltlich. Über Religion wurde überhaupt nicht gesprochen.

Nachdem ich einen kleinen Imbiss eingenommen habe, drehe ich noch eine kleine Hafenrunde, bevor ich weiterfahre. Ich liebe diese bunten Farben.

Auf den Hafen folgt eine Wohnanlage mit extrem dichter, eingeschossiger Bebauung. Zwar schaue ich über die Häuser hinweg auf de Pazifik. Den schönen Sandstrand allerdings vermisse ich.

Vom Seagaze Drive in Ocean City habe ich dann wieder einen schönen Blick auf den schmalen Sandstrand und den örtlichen Pier.

Weiter geht es entlang prächtiger Palmenalleen.

Dann geht es wieder für einige Meilen direkt am Wasser entlang. Es wird Zeit, dass ich mein heutiges Ziel in Carlsbad vor Einbruch der Dunkelheit erreiche.

Mir tut die linke Leiste weh. Sie hatte schon einmal geschmerzt. Unmittelbar nach der Hundeattacke, westlich von Barstow. Seinerzeit hatte ich Angst, dass sich ein Leistenbruch anbahnt. Da ich in den folgenden Wochen keine weiteren Probleme hatte, habe ich dem Ereignis keine weitere Beachtung geschenkt.

Seit Oceanside macht sich zunehmender Druck in der linken Leiste bemerkbar. Und am Abend muss ich feststellen, dass sich in der linken Hüftbeuge eine Hühnerei große Beule gebildet hat. Und das bereitet mir keine guten Gefühle. Ich werde sehen, wie sich das über die Nacht entwickelt.

Langsam trudel ich an diesem Abend in Carlsbad ein. Mein Gastgeber Greg und seine Ehefrau Song erwarten mich bereits. Ich kann mein Zelt neben dem Haus in einem von der Straße nicht einsehbaren, geschützten Bereich auffbauen. Da der Boden gepflastert ist, kann ich keine Heringe verwenden. So finde ich eine andere Lösung und nach wenigen Minuten steht das Zelt.

Anschließend nehme ich ein Duschbad. Greg hat die Dusche außerhalb des Hauses installiert. Anschließend lädt er mich zum Abendessen ein. Song kocht wunderbar. Es gibt reichlich zu Essen. Und ich genehmige mir noch einen Nachschlag.

Greg ist begeisterter Radwanderer, der in seinem Leben schon unglaublich viele Fahrradtouren absolviert hat, die ihn auch in andere Länder führten. Und so haben wir beide das Gesprächsthema für den heutigen Abend gefunden.

Da ich mich gesundheitlich nicht wohlfühle, beenden wir beizeiten den Abend. Ich ziehe mich in mein Zelt zurück. Trotz der Sorgen um meine Gesundheit, die mich bedrücken, braucht es nicht viel Zeit um ins Land der Träume zu gelangen. Gute Nacht.